Bitte nicht anfassen
Tauchen mit Mantarochen ist ein einzigartiges Erlebnis – solange man eine wichtige Grundregel beachtet.
Leuchtend orangefarbene Handschuhe – beim Tauchen sind sie bis heute Terry Kennedys Markenzeichen. Er trug sie in den 80er Jahren, als er zum ersten Mal die Bekanntschaft von Willy, dem Mantarochen, machte. Und er trug sie auch 30 Jahre später wieder, als er mit über 80 noch einmal versuchte, seinem alten Freund einen letzten Besuch abzustatten. Vielleicht, so hoffte Terry, würde Willy ihn an genau diesen Handschuhen wiedererkennen und zu einem gemeinsamen Tauchgang einladen.
Terry und Willy verband eine außergewöhnliche Freundschaft. Nur selten kommen Menschen und wilde Tiere sich so nahe und entwickeln ein so großes gegenseitiges Vertrauen. Diese Beziehung fasziniert uns, denn sie zeigt, dass der Ozean und seine Bewohner etwas leisten können, woran die Gesellschaft so oft scheitert: Einander vorurteilsfrei anzunehmen, so wie wir sind. Und dass aus einer solchen Verbindung ein Verantwortungsgefühl entstehen kann – der Wunsch, das zu schützen, was man liebt.
Eine Freundschaft unter Wasser — und was sie uns lehrt
Im Film The Last Dive erleben wir die besondere Beziehung zwischen Terry und Willy in der Retrospektive. Die alten Aufnahmen zeigen Terry als jungen Mann, der sich an einem riesigen Mantarochen festhält und durchs Wasser ziehen lässt. Der typisch weiche 16-Millimeter-Filmlook verrät: Diese Bilder sind vor langer Zeit entstanden. Es ist eine zauberhafte Darstellung einer einvernehmlichen Verbindung von Mensch und Tier. Trotzdem kann man dieses Bild heute nicht mehr unkommentiert stehen lassen.
Die wichtigste Regel des modernen Tauchens: Nur anschauen, nicht anfassen
Durch die Arbeit zahlreicher Meeresforscher:innen haben wir in den letzten 30 Jahren viel dazugelernt. Deshalb lautet heute eine der wichtigsten Grundregeln beim Tauchen: nur schauen, nichts anfassen. Vom Fisch bis zur Koralle sind sämtliche Lebewesen unter Wasser grundsätzlich tabu. Eine Berührung kann sowohl für Menschen als auch für Tiere ernste Folgen haben. Manche Arten beißen, stechen oder wehren sich mit Gift, wenn sie sich bedroht fühlen – das kann für Menschen tödlich enden. Aber auch die Tiere können durch Berührungen Schäden davontragen, die oft noch Jahre später sichtbar sind.
Mantarochen
Mit einer Spannbreite von bis zu sieben Metern sind Mantarochen eine majestätische Erscheinung. Man findet sie weltweit in tropischen bis gemäßigten Meeren, wo sie sich von Plankton und kleinen Fischen ernähren.
Warum direkter Kontakt echten Schaden anrichtet
Wie Fische sind auch Mantarochen mit einer schleimigen Schicht bedeckt. Diese glitschige Oberfläche bietet einen natürlichen Schutz vor Bakterien und fördert die Heilung kleinerer Verletzungen. Fehlt diese Schleimschicht, weil sie durch den Kontakt mit einem Tier oder einem Menschen entfernt wurde, ist der Mantarochen an diesen Stellen anfälliger für Verletzungen. Es gibt Mantas, die über lange Zeiträume immer wieder gesichtet wurden und an ihrer Bauchseite sowie an den Kopfflossen rote, wunde Stellen zeigten, die auch Jahre später nicht vollständig verheilt waren. Das lässt vermuten, dass sich die schützende Schleimschicht nur bis zu einem gewissen Grad wieder regenerieren kann.
Respekt als schönste Form der Begegnung
Mantarochen sind sanfte Giganten. Wie einst Willy sind viele von ihnen neugierig und lassen Menschen sehr nah an sich heran. Es liegt an uns, respektvoll mit diesem Vertrauen umzugehen, den Tieren ihren Freiraum zu lassen und ihre Gesundheit nicht zu beeinträchtigen. Denn mit einem Mantarochen, aber auch Delfinen oder Walen zu schwimmen ist auch ohne direkte Berührung ein einzigartiges Erlebnis.
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Filmprogramm & Trailer
Die fünf neuen Filme der International Ocean Film Tour Volume 12 erzählen von Menschen, die Aufbruch und Veränderung wagen.
Film: The Last Dive
Die bewegende Freundschaft von Terry Kennedy und dem Mantarochen Willy.